Selten gestellte Fragen

Original: http://www-cs-faculty.stanford.edu/~knuth/iaq.html

  1. Warum hat mein Land das Recht, den Irak zu besetzen?
  2. Warum sollte mein Land nicht den internationalen Gerichtshof unterstützen?
  3. Ist mein Land nicht stark genug, um seine Ziele in Frieden zu erreichen?
  4. Wenn die Führer eines Landes es schaffen, schreckliche Dinge zu tun, was ist der beste Weg, um die Ehre dieses Landes wiederherzustellen?
  5. Ist es möglich, dass potenzielle neue Führungskräfte Fragen über die mögliche Schuld ihres Landes aufwerfen, ohne politischen Selbstmord zu begehen?
  6. rauche ich Vergeltung von verletzten Menschen, deren Leben durch Handlungen ruiniert worden sind, die meine Führer ohne meine Zustimmung unternommen haben?
  7. Wie kann ich am besten helfen, einen Prozess in Gang zu setzen, durch den Reparationen an Menschen gemacht werden, die von ungerechten Taten meines Landes geschädigt worden sind?
  8. Wenn Tag für Tag vergeht an dem niemand unangenehm Fragen wie diese stellt, tragen dann nicht auch die guten Menschen in meinem Land Mitschuld, da sie durch ihr passives Verhalten die Dinge indirekt schlimmer machen?

Also, ich kann mir keine befriedigende Antwort auf irgendeine dieser Fragen vorstellen.
Ich glaube, die Antwort auf Nummer 6 ist noch nein; Doch befürchte ich, dass ein Ja-Antwort immer mehr und mehr angemessen wird, da Monat für Monat ohne wesentliche Änderung des Status quo vergeht.

Vielleicht sind die besten Hinweise auf die Umrisse einer befriedigenden Antwort in der wunderbaren Rede zu finden, die Richard von Weizsäcker 1985 hielt.

Hier noch die deutsche Version:

http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Richard-von-Weizsaecker/Reden/1985/05/19850508_Rede.html

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Die Zeit, von der ich schreibe, war für uns Deutsche eine Ära des staatlichen Zusammenbruchs… Normaleres noch als ein Strafgericht, wie es anjetzo über uns schwebt, wie es dereinst auf Sodom und Gomorra fiel… Dass es herrannaht, dass es längst nicht mehr aufzuhalten ist, ich kann nicht glauben dass irgendjemand noch den leisesten Zweifel daran hegt… Dass diese in Schweigen gehüllt bleibt, ist eine gespenstige Tatsache für sich. Denn mag es schon unheimlich sein ,wenn unter einer großen Menge verblendete, einige wenige Wissende, versigelten Mundes wohnen müssen. Das Grauesn so scheint mir, volendet sich, wenn eigentlich alle schon wissen, aber zusammen in Schweigen gebannt sind, whärend einer vom andern die Wahrheit von den sich versteckenden oder angtvoll starrenden Augen liest

Deutschland … heute, umgedreht von Dämonen, eine Hand über einem Auge, mit dem anderen starrte es in Schrecken, unten sie flankiert von Verzweiflung zu verzweifeln. Wann wird sie den Abgrunds erreichen? Wann, aus der höchsten Hoffnungslosigkeit – ein Wunder jenseits der Macht des Glaubens – wird das Licht der Hoffnung dämmern? Ein einsamer Mann faltet seine Hände und spricht: „Gott sei barmherzig zu deiner armen Seele, mein Freund, mein Vaterland!“

— Thomas Mann, Dr. Faustus (1947, verfasst in 1945)
[Auszüge aus  KApitel 33 und des  Epilogues]

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